Eisenbahnunfall von Amagasaki

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Eisenbahnunfall von Amagasaki

Beitragvon Sebastian » Mi Feb 19, 2014 1:03 am

Hallo zusammen,

aus der Reihe Seconds from Disaster hier ein Video vom Unfall in Amagasaki. Recht interessant wie Lokführer in Japan unter Druck standen (oder immer noch stehen?).
Würde mein Teamleiter versuchen mich so zu "disziplinieren" würde er mich am nächsten Tag nicht wieder sehen.
Zugegeben die Fehler die der Kollege gemacht hat sind gravierend. Es gehört schon einiges dazu so über den Bahnsteig hinaus zu schießen. Selbst bei schlechtesten Witterungsverhältnissen ist mir das in fünf Jahren Personenverkehr nicht passiert, egal mit welchem Fahrzeug.
Mal abgesehen davon das ich nach Überfahren eines Halt zeigenden Signals gar nicht weiterfahren dürfte, würde ich nie mein Leben und das meiner Fahrgäste auf´s Spiel setzen und zu schnell fahren. Da hab ich lieber Verspätung, die man durch gezieltes Bremsen eventuell minimieren kann. Aber ich glaube ich kann mich da nur schwer in die Japaner hineinversetzen.
Genug der Worte, hier der Link:
https://www.youtube.com/watch?v=luZJDrTsW4Q

LG Sebi
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Re: Eisenbahnunfall von Amagasaki

Beitragvon Class EF65 » Di Feb 25, 2014 11:50 pm

Hallo Sebi,
dazu noch folgender Link: http://de.etc.bahn.misc.narkive.com/N8y ... ychoterror
Ist schon krank
Ein Schrottplatz ist ein Ort an dem sich immer etwas findet was man gebrauchen kann, diese Tatsache hab ich mir beim einrichten meines Arbeitstisches zu nutze gemacht ;)
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Re: Eisenbahnunfall von Amagasaki

Beitragvon Sebastian » Mi Feb 26, 2014 12:16 am

Also ich bin froh das das in Deutschland noch lange nicht so ist wie im Video und im Link beschrieben. Wenn ich an einem Bahnsteig vorbeigehe ist das peinlich (ich muss schließlich nachweisen das ich auf der Strecke kundig bin und somit auch die Bremspunkte kenne) und für die Fahrgäste sehr ärgerlich. Doch wenn´s passiert, dann passierts. Solange ich weiß wie ich mich dann verhalten muss kann die Sache noch glimpflich ausgehen. Nur melden muss ich es und darf nicht einfach zurücksetzen.
Doch werden hier zum Glück die Tf´s betrieblich und fachlich nachgeschult statt moralisch, körperlich und psychisch regelrecht zerstört zu werden. Da müssen die Japaner definitiv noch nachbessern sollten diese Methoden heute immer noch angewendet werden. Anstrengend ist der Beruf genug, da braucht man nicht noch diesen Psychoterror.

Danke an Class EF65 für den Link ;)

LG Sebi

P.S.: Ich frage mich was die Japaner gemacht hätten wenn sie ein Fahrzeug Marke BR425 bei sich hätten. Im ersten Jahr ist so ziemlich jeder Zug am Bahnsteig vorbeigeschossen, was aber am Fahrzeug und nicht an den Tf lag. Ich glaube bei den JR wäre eine Welt zusammengebrochen ;)
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Re: Eisenbahnunfall von Amagasaki

Beitragvon Class EF65 » Mi Feb 26, 2014 12:41 am

Bei mir tut sich da eine Mischung aus unverständnis und Ablehnung auf, aber ob sich da Zeitnah etwa's ändern würde. In Deutschland Unvorstellbar (da wäre wohl eh in wenigen Tagen ein Großteil der Belegschaft nicht da), einer Unser Lokführer hatte bei einem US-Stammtisch eher ''stolz'' von seinen ersten Zerrissenen Güterzug Berichtet, da würde bei denen sicher die Welt untergehen, oder wenn ich an den Lokführer denke der mitten auf der Strecke, bei Halt zeigendem Signal auf den nächst gelegenen Hügel klettert um schöne Nachtaufnahmen zu machen :roll: . Solange sich noch die Mentalität der Reichsbahner bei der Schmalspur Heute zurückkehrt ist ja noch alles gut ;)

Das Thema Nachschulungen in Japan scheint ja schon in der Schulzeit loszugehen, nur noch mit pädagogischen Anspruch.
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Re: Eisenbahnunfall von Amagasaki

Beitragvon Tetsuro » Mi Feb 26, 2014 9:28 pm

Die Sache mit der Pünktlichkeit kenne ich hier zu Lande auch. Ich habe mich mal mit einem Busfahrer unterhalten, im Bezug auf den Fahrplan.
Der hat sich darüber aufgeregt das die Zeit zu knapp bemessen ist. Als ich ihn gefragt habe wie die Fahrzeiten entstehen, war die Antwort:
Die Verkehrsleitung fährt die Linie mit einem PKW ab und nimmt an jeder Haltestelle bei Durchfahrt die Zeit!
Da ist mir klar warum die Verspätung immer mehr zu nimmt....

Aber bei der Bahn kann man solche Vergleiche natürlich nicht machen.
Auf einigen Bahnlinien in Japan ist die Haltezeit am Bahnsteig nur gerade mal 30 Sekunden! Wenn man da, an Unsere deutschen Haltezeiten denkt,
wo der Zug ganze 5 Minuten und länger im Bahnhof stehen kann,
könnte ich mir vorstellen, das über ein solches Zeitfenster auch ein Zeitpuffer zustande kommt, der Verspätungen im Sekunden-Bereich kompensieren würde.
Das stelle ich mir dann auch weniger Stressig vor. Wenn dein Arbeitstag Sekundengenau geplant ist, ist das absoluter Stress.

Und da ich in meiner Autobude an taktgebundenen Maschinen arbeite, wo es eine Tagesnorm gibt, die gehalten und möglichst gesteigert werden muss kann ich nachvollziehen wie es da den Lokführern in Japan gehen muss. Und da haste ja auch, zusätzlich zur Pünktlichkeit, gleich Verantwortung über etliche Leben.

Ich denke das man mit einer Fahrplanmäßig längeren Haltezeit, dem, ich nenns jetzt mal, "mentalen Versagen", entgegenwirken würde. Sodass man auch mal Luft holen kann. Oder eben Zeit gut machen kann, ohne das dabei ein Gedanke wie Geschwindigkeitsübertretung erst zu Stande kommt.
Ist doch theoretisch richtig. Oder?
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Re: Eisenbahnunfall von Amagasaki

Beitragvon Sebastian » Mi Feb 26, 2014 10:45 pm

Hier in Deutschland (da besonders bei der S-Bahn Rhein-Ruhr oder S-Bahn Köln) hast du teilweise auch nur 30 Sekunden. Das geht aber ganz gut und völlig ohne Stress.
Stress macht man sich höchstens selber. Zugegeben da ticken die Japaner etwas anders und die Teamleiter/Vorgesetzten erhöhen noch den Druck. Aber da man unsere S-Bahn in den Großstädten ansatzweise mit den Nahverkehrszügen in Japan vergleichen kann, kann ich nur sagen das wenn man Verspätung hat, man diese gut durch sogenanntes spitzes fahren herausbekommen kann. Dazu muss man allerdings sein Fahrzeug und die Strecke genau kennen. Zu schnelles fahren kann nur gefährlich werden und im schlimmsten Fall leider so enden wie bei diesem Zug.

@Class EF65: Teilweise ist das bei Tf aber auch schwarzer Humor der da mitspielt. Eine Zugtrennung ist für den Tf nämlich mit sehr viel Arbeit verbunden und wir sind von Natur aus faul, wollen diese Arbeit also vermeiden :lol:
Ich hab das schon öfters erlebt bei Kollegen die Unfälle am Bahnübergang oder mit Personen hatten. Die Erzählen das, als wenn die Autos die sie mitgenommen haben Trophäen sind.

Ich wäre dafür in Japan die Maßstäbe der EiB L/T (Eisenbahner im Betriebsdienst Fachrichtung Lokführer/Transport) Ausbildung anzuwenden. Diese beinhaltet eine dreijährige Ausbildung, in der man u.A. 1. alle Regeln kennen lernt, 2. Fahrpraxis sammelt und 3. die später zu befahrenden Strecken kennen lernt.
So könnten die Kollegen dort vielleicht mit weniger Druck arbeiten.

LG Sebi
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